Artikel zum Monat: Juli, 2010

Windkraftindustrie- und Polit-Theater um “Windpark Silventus” zeigt die Winkelzüge und das Netzwerk der österreichischen Windkraftlobby exemplarisch auf

Montag, Juli 12th, 2010

“Sauber, unendlich, sicher” – diesen Spruch lesen sowohl Österreichs Kinder, wie auch alle Besucher von Veranstaltungen der Windkraftindustrie. So wie beim aufblasbaren Windrad verbirgt sich auch hinter vielen Aussagen von Vertretern der Windkraftindustrie das selbe, nämlich heisse Luft. Weil die Entwicklungen in der Gemeinde Lohnsburg nicht wie erhofft von statten gingen, wandert der Wald-Windpark nun nach Pöndorf (OÖ) (mehr…). Der dortige Bürgermeister Johann Zieher übt auch schon in seinen ersten Begegnungen mit der Presse etwas ungelenk Stimmung für die Windindustrieanlage zu machen.

Dabei gibt er eine Jahrhunderterkenntnis von sich, die sogar renommierte Energieexperten überrascht: “Wir können nicht ewig vom Öl zehren.” Mit dieser propehtischen Gabe ausgestattet versucht er Argumente für den Windpark zu finden. Wir nehmen letztendlich aber an, dass eher finanzielle Anreize (in Form von “Ausgleichsmaßnahmen”, etc.)  für die Gemeinde Pöndorf eine tragende Rolle übernehmen werden.

Windpark Silventus - ein Waldwindpark im Fokus der österreichischen Windkraftindustrie (c) ÖÖN, IG Windkraft, prowind.at & RAUS aus EURATOM/Collage

Windpark Silventus - ein Waldwindpark im Fokus der österreichischen Windkraftindustrie (c) ÖÖN, IG Windkraft, prowind.at & RAUS aus EURATOM/Collage

Künstliche Feinde werden mit Hilfe von Vorfeldorganisation zur Windkraftwerbung herangezogen
Mit vielen, teils künstlich aus dem Boden gestampften Vorfeldorganisationen (prowind.at – mehr…). Die Feinde sind schnell ausgemacht: Einerseits die Atomkraft – hier stellt die “unabhängige” (mehr…) und wirkungsarme Organisation NEIN ZU EURATOM (mehr…) ein Bollwerk gegen die Atomkraft dar. Blöd, dass die Atomkraft durch ihre Grundlastfähigkeit eine der Schattenseiten der Windkraftnutzung darstellt, wie das manager magazin.de darstellt (mehr…). Naja, zur Not gibt es ja noch das üble Russen-Gas, dessen Ausbleiben im Jahr 2009 eine wahre PR-Lawine der IG Windkraft auslöste (mehr…). Blöd auch hier, dass auch Gasturbinen zur Stromsicherung in windarmen Zeiten herangezogen werden. Die Firma Siemens profitiert dabei doppelt von dem Trend, da es sowohl Gasturbinen wie auch Teile für die Windkraftindustrie produziert. So sagte Michael Süß der Chef der Division Fossil Power Generation: “Es wäre falsch, einen Gegensatz zwischen erneuerbaren Energien und fossilen Energien zu erzeugen. Schließlich zieht jeder Windpark auch ein Gaskraftwerk zur Lastabsicherung hinter sich her”. Naja, probieren kann man’s ja.

Die Stimmen aus dem Volk, die keine sind, rufen immer mehr Gegenstimmen hervor
Neben Anschober’schen Massenpresseaussendungen in Bezug auf Windkraft – natürlich rechtzeitig nach Inkrafttreten der Einspeistarifverordnung und knapp vor Silventus-bezogenen Ortsentscheidungen versucht auch die völlig unabhängige Plattform prowind.at (mehr…) Stimmung zu machen und schliesst dabei nur den Kreis unter jenen eingefleischten Windkraftfreunden und Sympathisanten, die sich auch schon vorher kannten. Da helfen auch Facebook, Twitter und Co. wenig. Die Stimmung in der Bevölkerung ist gegen den Windpark Silventus, zumal das auffällige Werben und das druckvolle Intervenieren aller Beteiligten (inkl. OÖ Umweltlandesrat Anschober) für ein sich energiewirtschaftlich bescheiden wirksamen Kraftwerks im Wald einfach schon auffällig wird.

Da wundert es kaum, dass Leserstimmen laut werden, die da schreiben: “Es ist ein Grundsatz seriöser Politik, dem Ergebnis von laufenden Verfahren nicht vorzugreifen. Für Grün-Landesrat Anschober scheint das nicht zu gelten. Schon vor Abschluss des UVP-Verfahrens zum Windprojekt Silventus im Kobernaußerwald verkündet er in einer Presseaussendung vom 19. April 2010 das Ergebnis: Die von führenden Sachverständigen des Landes erstellten negativen Fachgutachten zum Natur- und Landschaftsschutz wertet er ab und erhebt diffuse „klimarelevante Vorteile“ zur Entscheidungsgrundlage für die Umweltverträglichkeit des Projektes.” (mehr…) Da wundert es kaum, dass sich auch eingeschworene und uninformierte “wird schon für was gut sein” Befürworter von diesen aggressiven Methoden einer Industrie abgestossen fühlen, zumal der Nutzen von Windkraft im Wald äußerst beschränkt ist. Die 240% Ertrag versprechenden Google-Anzeigen, die neben jeden Artikel über Windkraft aufscheinen, zeigen auch klar das wahre Interesse der Betreiber und einer Industrie, die ihre letzte Glaubwürdigkeit bald verlieren wird.

“Victory-Zeichen in Richtung Demonstranten” – Veranstaltung “Nein zum Steinbruch Paudorf” am 7. Juli 2010 war voller Erfolg: Hunderte Eventbesucher konnten informiert werden…

Mittwoch, Juli 7th, 2010

Radio Orange Dokumentation - "Demonstration vor Stift Göttweig: Kein 2. Steinbruch in Paudorf" - jetzt anhören/downloaden!

Radio Orange Dokumentation - anhören/downloaden!

Gutes Wetter, gute Stimmung und viele Gespräche. Hunderte Menschen konnten im Gespräch und mittels Flugblättern informiert werden. Zahlreiche Victory-Zeichen von Garanca-Eventbesuchern aus den Bussen in Richtung Demonstranten – Größtenteils Zustimmung und Ermunterung von Besuchern – LR Sobotka (und kein LH Pröll) bei Event – fuhr kommentarlos an Bürgern vorbei. Exekutive zuvorkommend und verständnisvoll. Der Göttweig’sche und Landes-Schweigekurs muss ein Ende haben…das Land NÖ ist gefordert einen Kurswechsel einzuleiten, da sonst weiterer Imageschaden droht…

Demonstration gegen geplanten Steinbruch Paudorf am 7. Juli 2010 in Göttweig - (c) oe24.at

Demonstration gegen geplanten Steinbruch Paudorf am 7. Juli 2010 in Göttweig - (c) oe24.at

…weitere Informationen im Laufe des Tages.

Das “organisierte” Schweigen am Göttweiger Berg: ORF-Berichterstattung vor der Demonstration gegen den Steinbruch Paudorf offenbart mangelndes Krisenmanagement

Dienstag, Juli 6th, 2010

Die für morgen angekündigte Demonstration gegen den geplanten Steinbruch Paudorf sorgt für zwei gegensätzliche Reaktionen: Einerseits das Schweigen des Stiftes Göttweig und der niederösterreichischen Landesregierung – die Fa. Asamer lud die Bürger zumindest widerwillig zum Gespräch. Auf der anderen Seite ist das Unverständnis und der Unmut der Bevölkerung stärker zu spüren.

Der inszenierte Schweigereflex wird nicht helfen, die Stimmung in der Bevölkerung und die Neugier der Medien zu dämpfen. Das Gegenteil wird der Fall sein…wir glauben nicht, dass die gegen die Freunde des Dunkelsteinerwalds gerichtete Strategie mit dem Titel “Du warst böse – mit dir reden wir nicht” als eine reife Form der Konsensfindung durchgehen wird.

Verhandlungen: “Nicht mehr” oder “erstmals”?
“Nicht mehr verhandeln” bedeutet, dass jemals schon verhandelt wurde. Daher stellt sich die Frage: “Wann wurde überhaupt verhandelt? Keine der drei Bürgerinitiativen waren jemals zum Gespräch geladen.” Eine Woche zuvor wurde vom Stift Göttweig verlautbart, dass mit Inititiativen verhandelt würde…

Unser Aufruf an die Verantwortlichen: Wir bitten um Antwort. Vielen Dank! Schreiben Sie uns bitte unter: kontakt@gegen-wind.net

Steinbruch-Demo vor Garanca-Konzert - Steinbruch Paudorf/Stift Göttweig (c) ORF.at

Steinbruch-Demo vor Garanca-Konzert - Steinbruch Paudorf/Stift Göttweig (c) ORF.at

Unbändige Ablehnung der Bürger: Demonstration gegen den geplanten Steinbruch Paudorf am Mi., 7. Juli 2010 um 16h am Göttweiger Berg

Sonntag, Juli 4th, 2010

Der wald- und Bürgerbedrohende Steinbruch der Firma Asamer auf den Gründen des Stiftes Göttweig ist aufgrund des aktuellen Entwicklungen (Stellungnahmen Asamer, Paudorf + Schweigen der Landesregierung) mehr denn je ein Thema. “Industrieanlagen haben im Wald nichts verloren!”
Weitere Informationen finden Sie unter www.dunkelsteinerwald.org.
Hier der Flyer in voller Größe mit allen Informationen…

Demonstration "NEIN zum Steinbruch Paudorf" am Mi., 7.Juli 2010 am Göttweiger Sattel um 16 Uhr - (C) Freunde des Dunkelsteinerwalds/Montage

Demonstration "NEIN zum Steinbruch Paudorf" am Mi., 7.Juli 2010 am Göttweiger Berg um 16 Uhr - (C) Freunde des Dunkelsteinerwalds/Montage

Tausende engagierte österreichische Bürger arbeiten unentgeltlich und großteils unwissentlich für die österreichische Windkraftindustrie – Das Energieautarkie-Modell “Energiebaukasten” der Firma Energiewerkstatt GmbH

Donnerstag, Juli 1st, 2010

“Am Anfang war die Angst” – So könnte man die einleitenden Worte des markenrechtlich geschützten Energiebaukastens (mehr…) der Firma Energiewerkstatt GmbH (mehr…)  in Munderfing (OÖ) umschreiben. Nicht als Gottes Geschenk, aber als Geschenk des führenden Planers von Windkraftanlagen an willige Gemeinden soll der Energiebaukasten österreichischen Kommunen den Umstieg auf erneuerbare Energien in Richtung “Energieautarkie” (mehr…) zu erleichtern. An sich lobenswert. Aber ist dieses Geschenk auch ein völlig Uneigennütziges oder steckt hier etwas dahinter? Nun, böse Zungen bezeichnen dies als Danaergeschenk der österreichischen Windkraftindustrie.

Wagen wir einmal einen Blick hinein. Das umfangreiche Werk schmückt sich mit dem Anspruch alle Formen erneuerbarer Energie zu verwenden. Beginnend mit dem Droh-Szenarien von steigenden Energiepreisen und Treibstoffkosten, den Kriegen um Öl und Gas (Die mexikanische Ölpest gab es noch nicht), Naturkatastrophen und Klimawandel erscheint dem unbedarften Leser der Energiebaukasten als rettendes Konzept. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch eine inhaltlich und strategische Bevorzugung des Energieträgers Windkraft auf. Parallel dazu geht die Erwähnung und die mit der Energieautarkie verbundene Erreichung der Zielsetzungen durch Wasserkraft praktisch gegen Null. In vorgeschriebenen Formvorlagen geht dies dann soweit, dass die Perspektiven der Wasserkraft gegen Null gehen, während konkrete Anregungen zur Errichtung eines Windparks schon “vorgeschrieben” sind.

Der Energiebaukasten (c) der Firma Energiewerkstatt GmbH in Munderfing als stark einseitig ausgerichtetes Werbe-Instrument der Windkraftindustrie in Österreich - (c) 2010 Energiewerkstatt GmbH, Munderfing/Montage

Der Energiebaukasten (c) der Firma Energiewerkstatt GmbH in Munderfing als stark einseitig ausgerichtetes Werbe-Instrument der Windkraftindustrie in Österreich - (c) 2010 Energiewerkstatt GmbH, Munderfing/Montage

Somit entpuppt sich der “unabhängige” Energiebaukasten als schlecht gemachtes, aber dennoch auf den ersten Blick verstecktes Werbeinstrument der Windkraftindustrie. Somit relativiert sich auch die freie Verfügbarkeit und die unentgeltliche Verwendung dieses Baukastens. Die ethisch verwerfliche Komponente ist jedoch die, dass viele Gemeinde, die vom Land Niederösterreich oder Oberösterreich dieses Instrumentarium erhalten, nahezu ungeschaut Windkraftanlagen in ihre Gemeinde hineinimportieren. Egal, ob der Wind passt – gleichgültig, wie es mit der Flora und Fauna ausschaut – die Windkraft muss in jede Gemeinde rein. Das nennen wir Ettikettenschwindel und bleibt zu hinterfragen, was die Bürger dazu sagen werden, wenn sich ein “unabhängiges” Angebot in der Tiefe als Verkaufsförderer für Windkraftanlagen herausstellt. Unter dem Deckmantel der gemeinsamen Arbeit an der bildet die freiwillige Arbeit der Bürger, Gemeinderäte und Umweltfreunde die Basis für den Profit der Anlagenbetreiber. Letztendlich arbeiten also engagierte Menschen unentgeltlich für einen Industriezweig, der seine räumlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Grenzen nicht anerkennt. Das nennen wir einmal eine Energiewende. Bedenkt man nun, in wievielen Gemeinden dieser Energiebaukasten zum Einsatz kommt bzw. kommen wird, kann man nur annehmen, dass die politischen Verantwortlichen angesichts dieses volks- und energiewirtschaftlichen Unfugs entweder unwissend oder unwillig sind. Beides ein Anlass zu handeln!

Danaergeschenk

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