Artikel zum Monat: Dezember, 2008

Tag 79: “Wir haben unsere Windräder und sind vom Rest der Welt unabhängig”

Sonntag, Dezember 21st, 2008

Und schon wieder ist sie im Rennen – die energieautarke Gemeinde.

Wie sehr die „Windkraftwerkler“ bei den Gemeinderäten schon Stimmung gemacht haben und diesen eine Marschroute zur besseren Akzeptanz bei der Bevölkerung vorschreiben, zeigt SPÖ-Gemeinderat Rudolf Kernstock offen in “Wir für Sie” im Dezember 2008. Er denkt sogar daran, aufkeimende Zweifel gleich in Form von finanziellen Beteiligungen zum Ersticken zu bringen.

GfGR SPÖ-Gemeinderat Rudolf Kernstock kommt zu folgender Erkenntnis: “Da ich mich bereits seit einiger Zeit mit Möglichkeiten der Energiegewinnung beschäftige und dadurch auch sehe, dass wir mit den jetzt vorhandenen Ressourcen nicht auskommen werden, ist es sinnvoll, sich nach anderen Möglichkeiten umzusehen.” Hier hat er recht – die Frage ist nur: Warum gerade Windkraft? Warum nichts anderes?

Neben Gründung einer „Hafnerbacher Energiegruppe“ im Vorfeld, der Organisation von Ausflügen nach Windhaag – einer Paradewindstadt – meint GR Kernstock dazu im Originalton: „Die Einbindung könnte nach dem Informations-Prozess auch in Beteiligungs-Formen möglich gemacht werden. “ Dabei träumt er auch den Traum einer regionalen Energie-Autarkie (Unabhängigkeit), die zwar gut klingt, aber im europäischen Stromverbund nicht zu verwirklichen ist. Sie können “Wir für Sie” unter der Adresse http://www.hafnerbach.spoe.at/mediaarchiv//309/media/Wir_fuer_Sie/Ausgabe_Dezember_2008.pdf downloaden und sich selbst überzeugen.

Frei nach dem illusionären Motto: „Wir haben unsere Windräder und sind vom Rest der Welt unabhängig“ wollen neben der Windlobby auch regionale Entscheidungsträger den Gemeindebürgern von Hafnerbach ein Energie-Desperado*-Image vorgaukeln werden und trügerische Öko-Sicherheit in bewegten Zeiten vermitteln. Die energiepolitischen und ökologischen Zusammenhänge hören jedoch nicht an der Grenze von Hafnerbach auf, wie den Bürgern Hafnerbachs und Niederösterreichs ganz sicher klar sein wird.

* Zur Klarstellung: Unter “Energie-Desperado” verstehen bzw. verstanden wir übrigens nicht die energietechnische Abschottung von Hafnerbach (Abkoppelung vom Stromnetz bzuw. Eröffnung eigener Tankstellen) wie dies gerüchteweise kolportiert wurde. Wir verstehen unter Energie-Desperado die wenig evaluierte und offenbar alternativlose Hineinnahme von nicht-ansässigen hochspezialisierten Windkraft-Grossunternehmen ohne Rücksicht auf den regionalen Kontext, die Landschaft und das Ökosystem. Weder die Infrastruktur noch das Know-How und nicht einmal das Kapital (ausser das der wenigen Anteilshaber) stammen aus bzw. bleiben in der Region.

Tag 75: „Windkraftbauer beklagen Kredit-Klemme“

Mittwoch, Dezember 17th, 2008

Dass die Wirtschaftskrise ihre Spuren hinterlässt sehen nun die deutschen Windkraftbauer, die über immer teurere Kredite klagen. Aufgrund der Tatsache, dass Windkraftprojekte sehr stark von Krediten (und damit den globalen Abhängigkeiten der Banken dahinter) abhängig sind, ist es nicht verwunderlich, dass diese auch gefährdet sind. Die letzten Glieder und möglicherweise Leidtragenden dieser Kette sind dann die Heerscharen von Privatinvestoren, Gemeinden, Bürger, Anrainer, etc., die um ihre einst versprochenen und ökologisch “sauberen” Gewinne kommen.

Nachlese: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,596661,00.html

Das Perfide daran ist, dass Windkraftprojekte eigentlich mit 2 Arten von Geld betrieben werden: dem nicht Vorhandenen (Kredite) und dem der Anderen (Subventionen). Aus diesem Grund sind gerade “Windkraftler” gefordert, mit diesen Ressourcen und im Einklang mit Mensch und Natur verantwortungsvoll vorzugehen. Eine Handlungsweise, die wir vermissen – gerade dann, wenn Windkraft einerseits als “Öko” und “Investitionsobjekt” beworben wird. Das ist für eine Rechnung, die so nicht aufgehen kann.

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